Herz-/Kreislauferkrankungen in der Naturheilpraxis

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Als Zivilisationskrankheiten, oder normale Alterserscheinungen in Kauf genommen, stehen Diagnosen wie Bluthochdruck, Arteriosklerose, Angina pectoris, periphere Verschlusskrankheit, Venenleiden und dergleichen mehr. Möglichkeiten der „Herzstütze“ und prophylaktischen, ganzheitlichen Methoden sollten denen der chemischen Hemmer und Hämmer vorausgehen. Die frühzeitige Erkennung und komplementär-medizinische Behandlung kann den „smartieshaften“ Pillenkonsum im Alter enorm reduzieren.

Herz und Blut stehen als Essenz der Lebendigkeit für uns Menschen. Kommt der Kreislauf zum Stillstand ist es vorbei und unser Bewusstsein zieht sich aus der sterblichen Hülle zurück. Zwischen blutjunger Dynamik und schwachem Altersherz stehen viele Zwischenstufen und Diagnosen. Und obwohl durch vielseits betriebene Aufklärung einige Klarheit über gesundheitliche Zusammenhänge bereits besteht, werden oft genug Frühwarnzeichen ignoriert und teils auch selbstzerstörerisch mit dem kostbaren Gut der eigenen Vitalität umgegangen.
„Puls“ und „Blutdruck“ sind den meisten gut bekannt. Ebenso ihr Hochschnellen in Situationen wie Stress, Panik, aber auch bei sportlicher Aktivität. Unsere Emotionen sind eng mit dem Blute verknüpft und können langfristig auf Herzleistung und Gefäße Einflußnehmen. Sportliche Ausdauerleistung führt, wie auch emotionale Ausgeglichenheit, zu einem gesunden Blutdruck.

Risiken

In der Praxis ist eine Liste mit Risikofaktoren bekannt, die das Auftreten verschiedener Erkrankungen begünstigen. Kommen mehrere zusammen, steigt das Risiko schnell an eine Herz-Kreislauferkrankung zu entwickeln. Betrachten wir einen der Gipfel der Herzerkrankungen, den Herzinfarkt, fallen neben dem oben erwähnten negativen Stress und mangelnder Bewegung weitere Faktoren ins Gewicht. Dazu zählen ungesunde Ernährung, Rauchen, verschiedene Medikamente, Diabetes mellitus1, Bluthochdruck und auch familiäre Häufung (Erbfaktor).
Im Bezug auf die Ernährung sind es hauptsächlich zu salz-, fettreiche aber ballaststoffarme Dauerkost, die zu Bluthochdruck und Arteriosklerose2 führen. Der hohe Salzgehalt führt aufgrund der starken Osmolarität3 zu einer erhöhten Wasserbindung im Gefäßsystem und damit zu einer Erhöhung des Drucks, was die Nieren versuchen ständig auszugleichen. Fettreiche Ernährung belastet den Körper in vielerlei Hinsicht und kann ebenfalls zu Arteriosklerose führen. Ballaststoffe könnten u.a. Giftstoffe und Gallensäuren im Darm binden und zur Ausscheidung verhelfen. Gallensäuren ihrerseits binden Fette (Cholesterin) im Darm und werden zur Fettverdauung gebraucht. Wird das eine durch das andere gebunden und ausgeschieden, sinken die Blutfettwerte.

Frühwarnzeichen

Bluthochdruck und Diabetes mellitus gehören zu den tückischen Zivilisationskrankheiten, da sie besonders im ersten Entstehungszeitraum kaum Symptome liefern, die vom Patienten ernst genommen werden. Das komplette Feld der Ursachen und
Auswirkungen füllt Bücher. Was hier aber Erwähnung fi nden soll, ist dass alle widrigen Umstände, die das Kreislaufsystem betreffen, letztendlich auch das Herz belasten. Abgesehen von diesen Auswirkungen können sie auch vielfältige Symptome liefern, die das Leben in Qualität und Länge beeinträchtigen. Was man also durchaus einmal zu oft untersuchen lassen sollte, sind (v.a. neu auftretende) Kopfschmerzen, Schwindel und Kurzatmigkeit. Darüber hinaus auch beginnende Durchblutungsstörungen, die sich durch Blässe von Hautarealen (oftmals der Unterschenkel), schlecht heilenden Wunden, Verkürzung der Gehstrecke und auch Missempfindungen („Ameisenlaufen“) offenbaren. Offensichtlicheren Grund zur Besorgnis treibt Patienten mit beginnenden Geschwüren (jenseits von Wundheilungsstörungen) und Schmerzen zum Heilpraktiker. Der typisch linksseitige Brustkorbschmerz4 mit Ausstrahlung in den Arm ist damit nicht alleine gemeint. Dieser kann übrigens auch im Notfall fehlen und ist nicht alleine ausschlaggebend für die Diagnose Herzinfarkt. Zudem kommen auch Kaltschweißigkeit, Übelkeit und Erbrechen, was sich eher bei Frauen zeigt. Schmerzen können sich je nach Syndrom5 unterschiedlich äussern.

Therapieansätze

Betroffene erfahren dann, v.a. in ärztlichen Praxen, Diagnosen und wissenschaftliche Floskeln wie Herzzeitvolumen, Mitralklappenstenose und Herzinsuffi zienz und schalten dabei oft schon ab und vermuten das Allerschlimmste. Dies führt nicht
zuletzt zu Resignation und Angst, welche den vermeintlich einzigen Ausweg in chemische Mittel weist.
Beim Bluthochdruck ist das gewollte Ziel beispielsweise die Senkung desselben, um Gefäßwände und Herz zu schonen. Medikamentös gibt es dazu unterschiedliche Ansätze dies nach schulmedizinischer Ansicht zu erreichen. Folgende drei Hauptgruppen können defi niert werden:

  • Betablocker blockieren Rezeptoren6, die für die Stimulierung des Sympathikus7 vorgesehen sind. Am Herzen führt dies zu einer Verminderung der Herzleistung.
  • Calciumantagonisten verringern den Einstrom von Calcium in erregbare Zellen. Der Mechanismus und Effekt der Zellen mit Calciumkanälchen ist vielfältig. Hier soll die Anspannung der Gefäßmuskulatur gemindert werden. Dadurch „versackt“ mehr Blut in der Körperperipherie und damit sinkt der Druck im System.
  • Eingriff ins Hormon-/Enzymsystem durch ACE-Hemmer und ähnliche. Das gehemmte ACE8 wandelt normalerweise Angiotensin9 in seine aktive Form, welche zu Erhöhung des Gefäßdrucks führt.

Zudem werden gerne Diuretika10 verordnet, um die vorhandene Flüssigkeitsmenge durch Ausscheidung über die Nieren zu verringern. Das hat wiederum den Effekt das Kreislaufsystem und damit das Herz zu entlasten. Zudem finden sich bei fortgeschrittenen Herz-/Kreislauferkrankungen Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme), die der Schwerkraft folgend in den Beinen am ausgeprägtesten sind. Durch massives Ausscheiden von Urin soll der Rückstrom aus dem Gewebe in die Blutbahn erzwungen werden.
An Ideen und Angriffspunkten mangelt es also nicht. Wären da nicht die ellenlangen Beipackzettel mit Neben- und Wechselwirkungen. Da es erfahrungsgemäß nicht bei einer bestimmten Medikation bleibt, sondern aufgrund von  Unverträglichkeiten und Nebenwirkungen zu zusätzlichen Verschreibungen kommt, ist die Tagespillendose bald voll mit allerhand bunten Tabletten.

Vor allem bei zunehmenden Tablettenkonsum sollte man die Packungsbeilagen sorgfältig studieren, um Wechselwirkungen und Kontraindikationen im Auge zu behalten. Meiner Erfahrung nach darf dies auch nicht blind dem Arzt oder Apotheker
überlassen werden, da diese wohl aus Zeitmangel oftmals den Überblick verloren haben.
Fragen Sie auch ruhig wiederholt nach, um sich über Wirkmechanismen und damit verbundene Risiken beraten zu lassen. Das ist ihr gutes Recht!
Was beispielsweise bislang bei meinen Nachforschungen unbeantwortet blieb, ist die Auswirkung von Calciumantagonisten auf der Seite der Venen. Eine Patientin bekam ein Medikament aus dieser Reihe zur Senkung des Blutdrucks und leidete zeitgleich an einer venösen Insuffizienz11. Meines Erachtens ist die entspannende Wirkung auf die Gefäße der Venen nicht zu vernachlässigen und bei solchen Patienten kontraindiziert.

Naturheilkunde

Das wirft natürlich die Frage nach Alternativen auf. Nachdem chemisch hergestellte Medikamente häufig ihren Ursprung in Derivaten12 aus Pflanzenauszügen haben, wenden wir uns also der Natur zu, wo noch ein harmonischer Einklang der Stoffe vorliegt. Wie auch zu erwarten, bergen pfl anzenheilkundliche Mittel weniger bis gar keine gefährdende Wirkung, weshalb sie auch nicht verschreibungspflichtig sind.
Im Vorfeld kann zu verschiedenen Themen, z.B. Ernährung beraten werden, eine Rauchentwöhnung stattfinden und auf verschiedenem Wege psychosomatische Weichen neu gestellt werden. Ein gesunder Umgang während der Frühphase eines Problems kann viele, auch naturheilkundliche Arzneien ersetzen.
Moderne Phytotherapeutika verstehe ich als „runder“, oder „harmonischer“ wirkende Schulmedizin. Mit ihrer Hilfe kann der Organismus z.B. angeregt, oder beruhigt werden. Man kann grundsätzlich ähnliches erreichen, wie mit den aggressiveren, isolierten und veränderten chemischen Stoffen. So hilft z.B. der Baldrian, der Hopfen und die Passionsblume bei nervöser Überbelastung und Ein-, bzw. Durchschlafstörung und kann diesbezüglich also positiv bei beginnender Hypertonie eingesetzt werden. Vielfältige Wirkungen hat auch der Knoblauch. Er senkt Cholesterin, den Blutdruck, das Thromboserisiko (bessere Blutfl ießeigenschaft) und wirkt antibiotisch. Pflanzliche Harntreiber gibt es eine ganze Reihe. Um nur ein paar zu nennen:
Brennessel, Acker-Schachtelhalm, Goldrute...

Neben den verschreibungspflichtigen und umstrittenen „Herzstützen“ Digitalis (purpurner Fingerhut) und Strophanthin, gibt es noch den Weißdorn. Letzterer ist ohne bekannte Nebenwirkungen sehr zuträglich bei Herz-Kreislauferkrankungen
einzusetzen und zudem frei verkäuflich. Auch andere naturheilkundliche Disziplinen verstehen sich in dieser Behandlung. Es gibt verschiedene Ausleitungsverfahren, sowie refl ektorische Behandlungen, die auch auf das blutführende System einwirken. Dann möchte ich noch an die Isopathie/Enderlein-Therapie (SALVEArtikel Herbst 2013) erinnern, die neben dem bekannten Mukokehl einiges in petto weiß, um Blutfließeigenschaften und Symbiontenverteilung zu beeinflussen.
Der große Vorteil der Homöopathie liegt in der breiten Palette der Möglichkeiten. Neben der Stärkung der Lebenskraft in der Konstitutionstherapie, kann auch Symptombehandlung betrieben werden, um dem Patienten erst einmal die Last auf den Schultern zu erleichtern. Selbst stark wirkende Stoffe, wie z.B. Digitalis, oder Glonoinum können dank der Potenzierung effektiv angewendet werden. Das letztgenannte ist aus dem sog. Nitrospray bekannt und bewirkt eine schnelle, aber vorübergehende Weitstellung der Gefäße, um z.B. einen Herzinfarkt abzuwenden. Bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz leidet durch mangelnde Pumpleistung auch die Lungendurchblutung, wobei es zum gefürchteten Lungenödem kommen kann. Bei herzbedingter Atemnot spricht man auch vom Herzasthma. Der Homöopathie ist das „Digitalis der Lunge“ Quebracho bekannt, das die Lungenstenose beseitigen und den Gasaustausch fördern kann.
Schaut man in die entsprechenden Rubriken findet man eine Reihe an wundervollen Möglichkeiten den Patienten zu entlasten und ggf. auch Ersatz für chemische Mittel zu finden. Alleine das gezielte Absetzen, bzw. Ersetzen entlastet Patienten derart, dass diese wieder an Lebensqualität gewinnen.
Insgesamt muss aber zur Vorsicht ermahnt werden! Es sollten keine Medikamente ohne Rücksprache mit dem Arzt, oder Heilpraktiker abgesetzt werden!

1 (griech. „Zuckersüßer Durchfl uss“) oft abgekürzt „DM“; Stoffwechselerkrankung, die zu einem erhöhten Blutzucker führt. Ab einem Grenzwert von 180mg/dl wird der Zucker über die Nieren ausgeschieden.
2 Durch Mikro-Verletzung und Ablagerung bedingte Verengung der (arteriellen) Blutgefäße.
3 die Fähigkeit Wasser „anzuziehen“
4 Angina pectoris („Brustenge“)
5 Reihe von Symptomen. Zugehörig zu einem Erkrankungsbild.
6 sog. Betarezeptoren fi nden sich in mehreren Organen und nicht nur am Herzen; die langfristige, senkende Auswirkung auf den Blutdruck soll vermutlich auf der Blockierung der Rezeptoren in der Niere (Renin-Ausschüttung) beruhen
7 Teil des vegetativen Nervensystems; wirkt anregend; Gegenspieler ist der Parasympathikus
8 Angiotensin-Converting-Enzyme; gehört zum Renin-Angiotensin-Aldosteron- System, das für die Regulierung des Blutdrucks zuständig ist.
9 „Angiotensin“ ist frei übersetzt die Gefäßspannung; Es gibt verschiedene Stufen dieses Hormons, die durch eine Kaskade von Abläufen und Wirkmechanismen aktiviert werden.
10 Harntreibende Medikamente („Wassertablette“); Der aus dem Blut abfi ltrierte Primärharn wird unter Mineralstoffverlusten nicht mehr so stark ins Blut rückresorbiert.
11 Das Blut-rückführende Gefäßsystem (Venen) funktioniert nicht mehr einwandfrei. Venenklappen schließen nicht mehr vollständig, womit der Druck auf die Gefäßwände zunimmt, was wiederum den Klappenschluss verschlechtert. Ein
Teufelskreis mit dem Resultat der Minderdurchblutung und dem Symptom der „offenen Beine“ (Ulcus cruris)
12 lateinisch derivare „ableiten“; Eine chemische Verbindung wird isoliert und chemisch verändert, damit die Wirksamkeit erhöht wird.

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